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Leben und Wirken

Das Heimathaus am Alpl, von Rosegger gezeichnet. © Steiermärkische Landesbibliothek
Das Heimathaus am Alpl, von Rosegger gezeichnet.Das Heimathaus am Alpl, von Rosegger gezeichnet.
© Steiermärkische Landesbibliothek
 

Am 31. Juli 1843 wurde Peter Rosegger am „unteren" Kluppeneggerhof am Alpl (Krieglach) als erstes von insgesamt sieben Kindern der Bergbauern Maria und Lorenz Roßegger geboren. Den ersten, allerdings keineswegs regelmäßigen Unterricht erhielt er durch Michael Patterer. Der ehemalige Schulmeister und Mesner, welcher im Jahre 1848 vom Pfarrherrn aus St. Kathrein/Hauenstein verjagt worden war, stand ohne Einkommen da, und so gab er gegen Unterkunft, Kost und Tabaksgeld in den Alpler Bauernhöfen Unterricht.

Peter Rosegger war zu schwächlich, um Bauer zu werden. Da er aber als überaus aufgeweckt erschien und gut erzählen konnte, meinten seine Eltern, dass er für den geistlichen Beruf tauge. Ein wohlmeinender Priester riet jedoch von diesem schweren Beruf ab. So dachte man an den Schneiderberuf, und Peter Rosegger kam zum „Störschneider" Ignaz Orthofer in die Lehre. An der Seite seines Meisters arbeitete Peter Rosegger auf 67 Höfen und lernte somit Land und Leute kennen. Er verfasste während seiner Lehrzeit zahlreiche Schriften.

 

 

Schließlich wurde im Jahr 1864 der Redakteur der Grazer Tagespost, Dr. Adalbert Svoboda, auf das junge Talent aufmerksam. 1865 besuchte Peter Rosegger Dr. Svoboda und seinen weiteren Förderer, den Brauindustriellen Peter von Reininghaus, in Graz. Um seine bislang weitgehend versäumte Bildung nachholen zu können, verschafften ihm seine Gönner einen Freiplatz in der „Akademie für Handel und Industrie". Im Jahre 1868 wurde Peter Rosegger von einem Schicksalsschlag getroffen, welchen er zeitlebens nicht verwinden konnte: Seine Eltern konnten den verschuldeten Hof nicht mehr halten. Das Geburtshaus Roseggers wurde verkauft, und die Eltern mussten in ein kleines Ausgedingehaus ziehen.

Im Jahre 1869 verließ Rosegger die Handelsakademie und lebte von nun an als freier Schriftsteller. Im Verlag Pock erschien mit Unterstützung seines Freundes, des Dichters Robert Hamerling, sein erstes Buch „Zither und Hackbrett", eine Sammlung von Mundartgedichten. Es folgte „Tannenharz und Fichtennadeln" in Mundartprosa. Im Jahre 1870 erschienen die „Sittenbilder", welche später zu „Das Volksleben in Steiermark" ausgebaut wurden.

Am 16. Jänner 1872 verstarb Roseggers Mutter. Am 21. Juli 1872 kam es am Alpl zum ersten Zusammentreffen mit Anna Pichler, der Tochter eines Grazer Hutfabrikanten. Es muss Liebe auf den ersten Blick gewesen sein, denn bereits wenige Monate später hielt Rosegger um ihre Hand an. Am 13. Mai 1873 fand in der Kirche Mariagrün bei Graz die Hochzeit statt und am 20. Februar 1874 wurde Rosegger erstmals Vater: Sepp Rosegger, welcher später als Arzt und Komponist wirkte, wurde geboren. In diesem Jahr erschien auch das Werk „Die Schriften des Waldschulmeisters". 1875 fand das kurze gemeinsame Glück ein jähes Ende: Bald nach der Geburt der Tochter Anna starb Roseggers Gattin völlig überraschend am 16. März 1875.

Nach diesem schweren Schicksalsschlag flüchtete Peter Rosegger in die Arbeit. Er suchte sich eine neue schriftstellerische Herausforderung und begann ab Oktober 1876 mit der Herausgabe seiner Zeitschrift „Der Heimgarten". Es gelang ihm in den folgenden Jahren, viele prominente Mitarbeiter zu gewinnen: Ludwig Anzengruber, Wilhelm Busch, Marie Ebner-Eschenbach, Robert Hamerling, Hans Kloepfer, Karl May, Bertha von Suttner, Leo Tolstoi u.v.m. Die Zeitschrift „Der Heimgarten" erreichte die für damalige Verhältnisse respektable Zahl von rund 3000 Abonnenten, Peter Rosegger zeigte sich darin von einer bislang völlig unbekannten Seite. Als engagierter und zeitkritischer Journalist geißelte er die Missstände seiner Zeit. Er scheute sich nicht, in aufrüttelnden und überaus modern anmutenden Sozialreportagen über Randgruppen der Gesellschaft zu berichten. Rosegger wurde zum Anwalt der sozial Schwachen und sparte nicht mit Sozialkritik, was ihm wütende Proteste und Vorwürfe brachte.

Neben der journalistischen Arbeit vernachlässigte Rosegger keinesfalls sein dichterisches Schaffen und setzte die Serie seiner erfolgreichen Bücher 1877 mit dem Erinnerungswerk „Waldheimat" fort. Seine finanzielle Situation hatte sich bereits so verbessert, dass er sich ein Landhaus in Krieglach erbauen lassen konnte.

 
Peter Rosegger im Kreise seiner Familie © Steiermärkisches Landesarchiv
Peter Rosegger im Kreise seiner FamiliePeter Rosegger im Kreise seiner Familie
© Steiermärkisches Landesarchiv
 

Im Mai 1879 heiratete Peter Rosegger Anna Knaur, die Tochter des wohlhabenden Baumeisters Wenzel Ludwig Knaur, welcher das Schloss Feistritz bei Krieglach besaß. Am 19. August 1880 wurde Sohn Hans Ludwig, der spätere Schriftsteller, geboren. Im Jahr 1888 löste Roseggers Roman „Jakob der Letzte" heftige Diskussionen über die Lage der Bauern aus. 1890 erfolgte die Grazer Uraufführung von Roseggers Schauspiel „Am Tage des Gerichts". Am 29. Juli 1896 verstarb der Vater des Dichters, Lorenz Roßegger, im 82. Lebensjahr. Im Jahr 1897 erschien der Roman „Das ewige Licht", im Jahr 1900 folgten die Bücher „Erdsegen" und „Mein Himmelreich".

Am 5. Mai 1902 fand die Grundsteinlegung für die „Waldschule" am Alpl statt, welche durch Roseggers Sammelaktionen finanziert wurde. Im Jahr 1903 erschien der Roman „Weltgift". Am 8. August 1903 wurde ihm das Ehrendoktorat der Universität Heidelberg verliehen. Wegen seiner angegriffenen Gesundheit übergab Peter Rosegger 1910 die Leitung des „Heimgarten" an seinen Sohn Hans Ludwig. 1913 gab es anlässlich seines 70. Geburtstags zahlreiche Ehrungen. 1913 (und 1918) wurde Rosegger sogar für den Literatur-Nobelpreis vorgeschlagen. Es folgten das Ehrendoktorat der Wiener Universität, die Ehrenbürgerschaft der Stadt Graz, das Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft usw. 1917 erhielt Rosegger das von der Juridischen Fakultät beantragte Ehrendoktorat der Grazer Universität. 1918 verlieh Kaiser Karl Peter Rosegger das Großkreuz des Franz-Joseph-Ordens. Diese Auszeichnung war bislang an einen einzigen Dichter, nämlich Franz Grillparzer, verliehen worden. Peter Rosegger verstarb am 26. Juni 1918 in seinem Krieglacher Landhaus.

Gekürzter Auszug aus: Gerald Schöpfer und Wim van der Kallen: Peter Rosegger und die Waldheimat, Graz: Verlag Styria, 1993.

 
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